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Querdenken

Storytelling + Live-Events = Dreamteam?

Storytelling-und-Live-Events

„To hell with facts! We need stories!“ – wusste bereits Ken Kesey, Autor von „Einer flog über das Kuckucksnest“, zu berichten. Genau diesen Ansatz haben sich viele Kollegen aus dem Event-Bereich vorgenommen zu realisieren. Leider bleibt es hier nicht allzu selten lediglich beim Ansatz und der Wunschvorstellung einer Story.

Storytelling + Live-Events = Dreamteam?

Hierzu möchte ich ein wenig weiter ausholen: Der Mensch ist ein „Soziales Wesen“, sprich Menschen leben von Natur aus in sozialen Gesellschaftsformen, sei es die Familie, die Nachbarschaft, das Dorf oder die Sprachgruppe. In Gruppen fühlen wir uns wohl, kennen sowohl die Regeln als auch die Grenzen. Als soziale Wesen haben wir ein großes Interesse am Leben unserer Mitmenschen und beschäftigen uns aus Neugierde (Drama) und Mitgefühl (Emotionen) insbesondere dann mit ihnen, wenn Urthemen wie Liebe und Hass, Treue und Betrug, Erfolg oder Misserfolg, Leben oder Tod mitspielen.

Zusätzlich lieben wir alle – besonders unser Gehirn – Geschichten. Bereits als Kleinkinder lernen wir durch die Erfahrungen und Erlebnisse anderer. Je mehr man sich mit den Geschichten identifizieren und emotional miterleben kann, desto einfach werden deren Botschaften angenommen.

Setzt man diese Erkenntnisse nun in Veranstaltungen um, so erfahren und behalten die Besucher wichtige Botschaften einfacher und nachhaltiger, wenn Storytelling mit im Spiel ist.

Nicht alles was Story heißt, ist auch eine Story

Nicht jedes Event, das laut Veranstalter eine Story hat, enthält auch die elementaren Grundelemente einer Story. Um es ganz deutlich auszudrücken: Nicht nur weil auf dem Ideenpapier Story draufsteht, ist auch eine (gute) Story enthalten! Manche Firmen oder Agenturen betiteln bereits ein Farbkonzept das sich sowohl in der Kleidung des Messepersonals, in den Speisen des Caterings, als auch auf dem Messefußboden wiederfindet als Story. Nein, hier fehlen oft die grundlegenden Elemente einer Story.

Des Kaisers neue Kleider

Ist Storytelling einfach nur ein Modebegriff am Event- und Marketinghimmel, um altbewährtes neu zu benennen und teuer zu verkaufen? Jein, denn auch wenn es verlockend erscheint, ist nicht alles, was Story genannt wird auch wirklich eine Geschichte.

Gerade im Event- und Veranstaltungsbereich, wo man die Gefühle der Besucher und Gäste ansprechen möchte und Emotionen wecken sollte, werden häufig altbekannte und wissentlich funktionierende Konzepte einfach immer wieder neu aufgelegt. Da fehlt meist der Mut zum Experiment und häufig auch die Grundelemente gut gehender Geschichten.

Häufig wird in einem Konzept über zehn Ecken gedacht, mit logisch anmutender Gehirnakrobatik eine Story gesponnen und dann ein roter Faden konstruiert und hineininterpretiert. Das Ergebnis: ein rundum gelungenes und innovatives Konzept? Problematisch wenn die Besucher weder die Story, den Sinn, noch die Zusammenhänge bzw. Botschaften erkennen. Meist wird dann nur noch das Gefühl der Ratlosigkeit erzeugt und transportiert.

Hier ein Beispiel einer Messe-Story aus zwei unterschiedlichen Sichtweisen:

Blicken wir einmal zurück, auf den Audi-Stand der IAA in Frankfurt von 2015.

Der Autoblogger BJOERN HABEGGER von mein-auto-blog.de beschreibt die Story folgendermaßen:

Herzlichen Glückwunsch zum schlechtesten & dümmsten Messebau auf der IAA 2015.

Man muss sich das vorstellen: Der ganze Volkswagen-Konzern ist mittlerweile so groß, dass die Halle 3 mit ihren rund 8.500 m² nicht mehr ausreicht, um alle Marken zu integrieren. Eventuell will man bei Audi aber auch einfach nicht in die Halle „mit Mutti“. Also baut man davor eine ganz eigene Halle auf. Auch in diesem Jahr wurde die „Agora-Freifläche“ von Audi in eine Halle der Superlative verwandelt. Ein eigener „Eis-Kanal“ zu Beginn soll die Besucher – ja, was? – was soll dieser Eisraum eigentlich? Zuerst fährt man 50 Meter per Rolltreppen in die Höhe, gefühlt im dritten Stock beginnt das Spektakel. Der „Eisraum“ markiert den Anfang, dann ein Flur mit Asphalt ähnlichem Boden und Puff ähnlicher Beleuchtung. Dazu Motorenlärm vom Band. Synthetisch. An der Wand, ich glaube es war Motorsport… und dann fällt man eine Treppe hinunter in den unerwartet kleinen Ausstellungsraum.

So, und nun sehen wir uns diese Story in der Darstellung der Firma Schmidhuber an, die das Konzept des Audi-Auftritts konzeptionierte und ausführte:

AUDI – IAA FRANKFURT 2015 – »THE POWER OF FOUR«

Auf der IAA 2015 setzt der Audi Markenauftritt ein Zeichen für innovative Live-Kommunikation: Noch vor der eigentlichen Produktpräsentation im Zentrum des Marken-Gebäudes, führt Audi den Besucher mit dem Konzept »the power of four« durch eine beeindruckende Präsentation der vier Fokusthemen Audi ultra, Audi Technologies, quattro und Audi Sport.

DER „EXPERIENCE WALK“

Auftakt des „Experience Walk“ ist die Fahrt mit einer Rolltreppe durch eine organisch vernetzte Leichtbauskulptur, die sich aus der Fassade des freistehenden Gebäudekubus entwickelt. Der Besucher erlebt Leichtbau, effiziente Motoren und alternative Kraftstoffe.

Ein Spiel mit Dimension und Perspektive erwartet den Besucher im Bereich Audi quattro. Temperaturen von -21° schaffen eine Welt aus Eis, in der Branding und Kunstwerk den quattro-Lifestyle illustrieren. Dazu kontrastiert der Weg durch das Thema Audi Sport: intensive Rennsportakustik und dynamische LED-Installationen an Wänden und Decke lenken den Blick auf die Rennsport-Ikone Audi R18 in einer Steilkurve, die den nahtlosen Übergang in die Fahrzeugausstellung bildet.

 

Klar wird bei diesem Beispiel, dass die beiden Parteien, die Aussteller (Storyteller) und der Blogger (Publikum), aneinander vorbeireden und mit der Story nicht auf einen Nenner kommen. Wenn wir die Story auseinanderpflücken, scheint ein Grundelement des „storytellens“ nicht berücksichtigt worden zu sein: Tell it simpel, but not stupid.

Die Grundelemente einer Story – gerade im Eventbereich – sind folgende:

  1. In der Einfachheit liegt der Erfolg. Das Motto „tell it simple, but not stupid“ sollte man sich als Veranstalter für seine Story immer wieder vor Augen halten.
  2. Jede Story benötigt einen (nachvollziehbaren) Grund, um erzählt zu werden. Welches sind die Beweggründe für das Unternehmen, das Produkt, die Dienstleistung? Wenn der Besucher nach einem Event nach Hause geht und nicht weiß, welche Botschaft hinter der Story, die erzählt wurde, steht und wie sie im Zusammenhang mit dem Produkt, der Marke steht, dann ist etwas schiefgelaufen. Besuche ich beispielweise einen Messestand der IT-Branche und setzte mich dort in ein Schnellboot, dass auf einmal beschleunigt, Luft in meine Augen bläst und mich im Schreckmoment fotografiert, ist das zwar nett, aber wie steht das im Zusammenhang mit der ausgestellten CRM-Technik?
  3. Vergessen Sie nie die „Hauptperson“, denn Storys benötigen Helden: Dies kann das Produkt, die Marke, ein Markenbotschafter, der CEO oder die Partner der ausstellenden Firma sein. Versuchen Sie aber sich möglichst nur auf einen Helden zu konzentrieren, sonst wird es zu kompliziert.
  4. Jede Story zeigt eine Konflikt. Nur so kann ein Spannungsbogen aufgebaut werden und der Held eine Wandlung vollziehen.
  5. Bieten Sie dem Publikum die Möglichkeit, aktiver Part der Story zu sein. Wer aktiv an einem Geschehen beteiligt ist, kann dies im Unterbewusstsein und nachhaltig speichern.

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