BLOG

Startseite/Blogübersicht/Behind the Scenes im Museum (Teil 3)
Wissen

Behind the Scenes im Museum (Teil 3)

Dr. Christian Gries-Kunsthistoriker, Medienexperte und Mitbegründer der Kulturkonsorten

In unserer Museums-Blogserie räumen wir mit den Vorurteilen auf, die in unseren Köpfen beim Thema Museum herrschen. Im ersten Teil unserer Blog-Serie blickten wir auf die digitale Transformation von Museen und im zweiten Teil schauten wir auf Museen, als außergewöhnliche Locations.

Heute sprechen wir mit Dr. Christian Gries u.a. über Möglichkeiten und Einsatz von Social Media für Museen und Events.

Dr. Christian Gries ist Kunsthistoriker, Medienexperte und Mitbegründer der Kulturkonsorten. Als Museumsevangelist propagiert er digitale Strategien, neue Formate des Denkens und zitiert gerne Jean Paul.

Brand-Blog: Wie definieren Sie Digitale Transformation und was unterscheidet die der Kultureinrichtungen von der sonstigen Wirtschaft?

Christian Gries: Digitale Transformation ist der Weg zu einem neuen Selbstbewusstsein. Den kann man nur grundsätzlich, ganzheitlich und nachhaltig gehen. Grundlage ist eine reflektierte Strategie: der Impuls, alle Strukturen, Maßnahmen, Projekte, Ressourcen, Kompetenzen und Wertigkeiten, aber auch Kosten und Nutzen, die im Digitalen eingesetzt werden, in ein optimales Miteinander zu bringen. Dazu braucht man Übersicht und entsprechend einen guten Standpunkt. Kultureinrichtungen unterscheiden sich da nicht groß von Unternehmen. Sie müssen vielleicht mit knappen Ressourcen noch präziser planen.

Brand-Blog: Bei den Kulturkonsorten haben Sie einen Teil der „Digitalen Transformation von Kultureinrichtungen“ mit vorangetrieben. Was ist für die neue Form der digitalen Kulturvermittlung ausschlaggebend? Was sollte beachtet werden?

Christian Gries: In den letzten fünf Jahren haben wir mit den Kulturkonsorten Impulse gesetzt. Wir haben Foren für den kollektiven Austausch über das Digitale etabliert, unsere Expertise unters Volk bzw. in die Kultureinrichtungen getragen und mit neuen Formaten der Kulturvermittlung experimentiert. Ausschlaggebend ist für mich immer wieder der Blick über den eigenen Horizont, die Neugier, die Bereitschaft und Fähigkeit zur Erneuerung, der Mut auch mal etwas auszutesten (und die Souveränität es ggf. auch zu verwerfen). Es geht um Dynamik und die Fähigkeit das Denken (und die eigenen Strukturen) auch mal zu verändern.

Für viele Museen ist der Weg aus dem Expertenmonolog nicht so einfach und die Begegnung mit der neuen digitalen Kreativität des Publikums eine echte Herausforderung. Ob die Museen den Unternehmen voraus sind, wage ich in der pauschalen Deutung nicht zu sagen. Die meisten Kultureinrichtungen haben den Weg ja gerade erst begonnen und versuchen ihn nun zu gestalten. Im Ausland ist man da weiter. Das Metropolitan Museum in New York hat bereits die „Post Digital Ära“ eingeleutet: das Digitale ist keine Revolution mehr, sondern Standard und fest etabliert bzw. integriert.

Brand-Blog: Worauf sollten Kultureinrichtungen achten, damit sie die Zielgruppe richtig ansprechen?

Christian Gries: Die Zielgruppen erst einmal kennen lernen und studieren. Der Umgang mit einer „customer journey“ und den „digital metrics“ sind noch lange keine Selbstverständlichkeit in der Kultur. Die klassischen Zielgruppen verändern sich. Und auch die Instrumente, mit denen man interagieren kann. Da ist noch sehr viel Unschärfe.

Brand-Blog: Und wie werden die Erfolge/Ergebnisse gemessen?

Christian Gries: Da wird gerne noch immer nach „mehr verkauften Eintrittskarten oder Besucherzahlen“ gefragt. Vereinzelt wohl auch nach mehr Followern. Das ist so ein Stereotyp wie die Angst, dass wegen des Digitalen keiner mehr ins Museum geht. Wer das fragt oder behauptet hat aber den Wandel (und auch die digitalen Instrumente, Medien und Möglichkeiten) nicht einmal im Ansatz begriffen.

Brand-Blog: Herr Gries, wie sieht die Verbindung von Live-Events mit der Onlinewelt aus (z.B. Instagramwalks). Worauf ist zu achten?

Christian Gries: Die Verbindung ist spannend und wird ja auch schon deutlich praktiziert. Freilich noch nicht flächendeckend, aber aus der Experimentierphase sind doch einige Institutionen schon raus. Tweetup, Instawalk, Instameet ,- wie auch immer man die Formate nennen mag: sie bringen digital affines Publikum in die Kultureinrichtungen und, wenn man es geschickt macht, jede Menge Reichweite und Sichtbarkeit für kulturelle Botschaften und Themen. Und wichtig: da laufen neue Erschließungsinstrumente und Kontextualisierungsmechanismen heiß. Ich halte für wesentlich hier kreativer zu werden. Diese digitalen Formate müssen mit dem analogen Raum und den klassischen Konzepten intensiver kombiniert werde. Fängt ja schon damit an, sich über einen vernünftigen Hashtag Gedanken zu machen. Gefahren sehe ich nur, wenn man solche Events zu sehr kommerzialisiert oder einfach unprofessionell plant.

Brand-Blog: Welche Erfahrungen können Kultureinrichtungen den Wirtschaftunternehmen hinsichtlich digitaler Transformation mitgeben; nennen Sie bitte 5 DOs und 5 Don’ts.

Christian Gries:

Dos
1 Wandel als Chance begreifen und ganzheitlich denken.

2 Strategisch planen, Ziele klar definieren.

3 Nachhaltig agieren.

4 Kompetenzen und Ressourcen aufbauen und fest in die eigenen Strukturen einbauen.

5 Mut und Neugier als positive Faktoren verstehen.

Don’ts
1 Nicht halbherzig agieren. Ein bisschen schwanger geht nicht.

2 Nicht authentisch agieren. Wer lügt fliegt auf.

3 Es nicht zu tun.

Brand-Blog: Vielen Dank Herr Dr. Gries!

Unseren Lesern empfehlen wir auch diesen Vortrag von Herrn Dr. Gries auf der Direttissima 2016 „Museums morph digitally“

 

Unsere Blog-Serie Behind The Scenes: Im Museum ist noch nicht zu Ende. Im vierten Teil unterhalten wir uns mit der Kunsthistorikerin Dr. Tanja Praske über digitale Kulturvermittlung, digitale Kommunikation mit Social Media, Bloggen, Tweetups und das Lustwandeln in Schlossgärten.

redaktion@brand-l.net

+49 89 71 67 71 8 70

Blog Abonnieren

NEUESTE BEITRÄGE

LETZTE KOMMENTARE